Ich schreiben. Du verstehen?

Folgender Satz, den ich neulich in einer Sportkolumne gelesen habe, zeigt, wie leicht missverständliche Formulierungen entstehen können:

„Der nun aberkannte dritte Platz von Hamilton in Australien war für den britisch-deutschen Rennstall mehr als erwartet gewesen.“

Was sagt dieser Satz für Sie aus? Für mich verstecken sich zumindest zwei inhaltliche Möglichkeiten darin: 1.) Der dritte Platz war mehr als nur erwartet gewesen, man hatte fix damit gerechnet. 2.) Der dritte Platz war mehr, als der Rennstall erwartet hatte.

Man könnte das „mehr als erwartet“ aber auch auf die Tatsache der Aberkennung des dritten Platzes beziehen. Dann bekommt der Satz eine weitere unterschiedliche Bedeutung. Hat der Rennstall etwa damit gerechnet, dass ihm der dritte Platz aberkannt werden würde?

Erst aus der Lektüre des weiteren Textes ergab sich, was der Autor gemeint hatte: Der dritte Platz war mehr, als der Rennstall erwartet hatte. Die Platzierung wurde aber nachträglich aberkannt.

Der Schluss, der sich daraus für Unternehmenstexte ergibt, ist klar: Nur wenn es gelingt, solche Quellen für Missverständnisse zu vermeiden, kann ich davon ausgehen, dass die Leser meine Botschaft so aufnehmen, wie ich das möchte. Bei einem Artikel über ein Formel-1-Rennen mag das nicht relevant sein. Wenn es aber darum geht, meine Zielgruppen von etwas zu überzeugen, dann muss ich sehr wohl darauf achten, dass meine Formulierungen klar und auf den ersten Blick verständlich sind.

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