Kurz und gut

Bei der schriftlichen Unternehmenskommunikation ist es wie beim Fliegen: Je weniger unnötigen Ballast Sie mitnehmen, desto schneller kommen Sie ans Ziel (Wenn nicht gerade eine isländische Vulkanstaubwolke den Flugverkehr lahmlegt). Das heißt aber nicht, dass nur kurze Texte gelesen werden. Es bedeutet, dass sinnloses Füllwerk weggelassen werden sollte. Wenn Sie eine fesselnde Geschichte erzählen wollen, brauchen Sie natürlich einen Handlungsstrang, der Spannung aufbaut, einen Höhepunkt erzeugt und zu einem schlüssigen Ende führt; das setzt eine gewisse Textlänge voraus.

Jemand hat einmal den Film „Der Herr der Ringe“ folgendermaßen beschrieben: „Kleine Leute geraten in große Schwierigkeiten, während sie versuchen, gestohlenen Schmuck loszuwerden“. Bravo – ein Musterbeispiel an Prägnanz! Aber Faszination für den Film wird man damit nicht wecken können. Daraus können wir Folgendes schließen: Wie alle Faustregeln kennt auch jene, sich kurz zu fassen, bestimmte Ausnahmen; und es ist immer eine Frage des Feingefühls, selbst zu erkennen, wann ein kurzer Text den jeweiligen Zweck besser erfüllt als ein langer. Ein weiteres Beispiel in diesem Zusammenhang ist die Anekdote von dem Schüler, der eine Arbeit zum Thema „Was ist Mut?“ verfassen sollte; (anders lautende Meinungen berichten davon, der Titel lautete „Was ist Faulheit“ – die Anekdote funktioniert so oder so; ob sie wahr ist oder nur gut erfunden, bleibe dahingestellt). Der Aufsatz des Schülers, so die Legende, bestand aus nur einem Wort: „Das“ – eine Antwort, die an Kürze und Richtigkeit nicht zu übertreffen ist, aber es fehlt ihr dennoch an inhaltlichem Gewicht.

Oft hört man die Aussage: „Ein Werbetext muss kurz sein; lange Texte werden nicht gelesen.“ Das stimmt so nicht – es kommt auf die Qualität an. Der berühmte Werbepionier David Ogilvy war ein großer Verfechter langer Werbetexte – in seinen Anzeigen widmete er oft dem Text mehr Platz als dem Bild. Aber sie sind auch so geschrieben, dass man sie gerne liest. Andererseits: In heutigen Werbeanzeigen sind manche Copytexte nur kurz, aber sonst nichts – weder stilistisch gelungen, noch prägnant, noch originell. Da nützt auch die Kürze nichts, solche Texte sollte man besser ganz weglassen.

Wo allerdings die Regel von der Kürze immer zutrifft, das ist bei einzelnen Sätzen. Wie lang ein Text in seiner Gesamtheit auch immer sein mag: Die Sätze, aus denen er sich zusammensetzt, sollten eine gewisse Maximallänge nicht überschreiten. Einige Ausnahmen weltberühmter Sprachkünstler wie Friedrich Schiller oder Thomas Mann bleiben hier ausgenommen. In dem Zusammenhang, dem dieser Blog sich widmet, geht es immer um ein oberstes Ziel: Verständlichkeit; und um diese zu optimieren sollte ein Satz höchstens aus 25 Wörtern bestehen. Versuchen Sie es! In meiner täglichen Praxis habe ich schon oft die Erfahrung gemacht, dass es wirklich hilft, die Textqualität zu verbessern, wenn man diese Regel konsequent befolgt. Ein Satz, der auch nur geringfügig länger ist, als diese 25 Wörter, weist oft noch irgendwo einen Mangel an Prägnanz auf. Wenn man versucht, ihn zu kürzen, entdeckt man erst die eine zu komplizierte Wendung oder das andere unnötige Füllwort, die man verändern bzw. streichen kann – der Satz wird also nicht nur kürzer, was an sich schon eine Verbesserung im Sinne der Verständlichkeit ist, er wird auch stilistisch besser. Übrigens: Sobald Sie einen Gedankenstrich setzen, dürfen Sie neu zu zählen beginnen. Der Gedankenstrich ist also ein sehr hilfreiches Instrument, um Sätze zu strukturieren und verständlicher zu formulieren – nutzen Sie ihn! Auch andere Satzzeichen, wie Doppelpunkt oder Strichpunkt sind nützliche Stilmittel und helfen, Schwung in Ihren schriftlichen Ausdruck zu bringen. Dazu komme ich in einem späteren Kapitel.

Meinung zu “Kurz und gut

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