Binnen-i: Fluch oder Segen?

Aus aktuellem Anlass sei hier hinzugefügt:

In Sachen geschlechtsneutraler Sprache hat die Grüne EU-Abgeordnete Eva Lichtenberger neulich den Vogel abgeschossen, als sie von „Anrainern und Anrainerinnen“ sprach. Bravo (oder müsste es in diesem Fall nicht Brava heißen?), Frau Abgeordnete, das kommt gleich nach „Gäste und Gästinnen“!

Meist sind es ja die kleinsten Dinge, die zu den größten Problemen zwischen den Geschlechtern führen. Man denke an die unsachgemäß ausgedrückte Zahnpastatube, die angeblich schon einmal als Scheidungsgrund herhalten musste. Ähnlich verhält es sich mit der zuweilen recht emotional geführten Diskussion um die geschlechtsneutrale Schreibweise mittels Binnen-i. (Wenn mehrere Personen beiderlei Geschlechts gemeint sind, wird einem Substantiv dessen weibliche Endung „innen“ angehängt, wobei das „I“ groß geschrieben wird; also z.B.: ArbeiterInnen, StudentInnen etc.)

Das Binnen-i ist aber aus einem einfachen Grund überflüssig: Bereits vor seiner Einführung war die deutsche Sprache geschlechtsneutral.

Im Deutschen erhalten alle Substantive, gleichgültig welchen Geschlechts, in der Pluralform den weiblichen Artikel: die. Es heißt beispielsweise der Mensch aber die Menschen, der Gast aber die Gäste, der Mann aber die Männer sowie selbstverständlich die Frau und die Frauen. Das setzt sich bei den Personalpronomina fort: z. B. „Sie sind da, die Männer und die Frauen.“

Dass dieses Argument nicht abwegig ist, zeigt ein Blick auf die französische Sprache: Hier werden alle Substantive in der Mehrzahl mit dem männlichen Pronomen versehen, sobald beide Geschlechter gemeint sind. Also z.B. „Ils sont là, les hommes et les femmes. “ Nur dann, wenn alle Mitglieder einer Gruppe weiblich sind, kommt das weibliche Pronomen zum Einsatz: „Elles sont là, les femmes.“ Auch der Pluralartikel „les“ liegt phonetisch näher beim männlichen Singularartikel „le“ als am weiblichen „la“.

Das Binnen-i als ausgleichendes Element ist also nicht notwendig – die deutsche Sprache ist im Plural bereits und seit jeher geschlechtsneutral. Nämlich durch Verwendung des weiblichen Artikels für alle – auch männliche – Substantive im Plural.

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